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Häufigkeit

Zur Sexualität im Alter gibt es nur wenige echte epidemiologische Untersuchungen, da die meisten Forschungen ihre Ergebnisse nicht aus echten Stichproben, sondern aus der Befragung Freiwilliger beziehen. Doch eine Reihe von Studien belegen folgende Zahlen:
60 bis 90 Prozent aller Männer zwischen 60 und 70 bezeichnen sich selbst als sexuell aktiv, bei den über 70-Jährigen sind es zwischen 48 und 79 Prozent. Bei den Daten der über 60- bis 70-jährigen Frauen gibt es große Unterschiede zwischen den USA und Deutschland: 70 bis 90 Prozent der amerikanischen Frauen geben an, sexuell aktiv zu sein, hingegen nur 45 bis 55 Prozent der deutschen Frauen. Bei den über 70-jährigen Frauen sind es in den USA an die 50 Prozent, in Deutschland jedoch weniger als 10 Prozent.

Wenn das sexuelle Interesse im höheren Alter nachlässt, so hat das, wie der Verband der Frauenärzte feststellt, nur selten physiologische Gründe, sondern ist meist die Folge reduzierter sexueller Aktivität des männlichen Partners. Oft liegt es aber auch einfach daran, dass Frauen durch Trennung oder Tod ihren Partner verloren haben und noch keinen neuen finden konnten.

Mit zunehmendem Alter steht jedoch meist weniger der Geschlechtsakt selbst im Mittelpunkt als vielmehr Sinnlichkeit, Zärtlichkeit und Intimität. Dennoch bleibt das sexuelle Interesse unvermindert bestehen, nur die sexuellen Aktivitäten nehmen ab. Respekt und Aufmerksamkeit geben der langjährigen Partnerschaft eine neue Tiefe. Und so mag in vielen Partnerschaften Einigkeit darüber herrschen, dass endlich eine Lebensphase erreicht ist, in der es nicht mehr vordergründig um die Rekordjagd nach dem länger, weiter und höher geht, sondern um die Intensität der Beziehung.

Soziale Veränderungen

Soziale Veränderungen im höheren Lebensalter sind Bedingungsfaktoren der Alterssexualität. Ein Kriterium ist Partnerverlust. Aufgrund der veränderten Relation Frauen/Männer (2/1) besteht die Schwierigkeit im höheren Lebensalter, einen neuen Partner zu finden. Hinzu kommt, dass das gesellschaftliche Umfeld älterer Menschen, der Alterssexualität ablehnend gegenübersteht.

Oft sind es auch psychosoziale Gründe, die Sexualität im Alter erschweren. So bleibt zum Beispiel in einem Altenheim mit Mehrbettzimmern nicht viel Intimsphäre übrig, wenn nicht gar die Räumlichkeiten ganz fehlen, um sich ungestört zurückziehen zu können. Auch klopft das Personal nicht immer an die Türe. Hinzu kommen noch die Intoleranz und Vorurteile der Jüngeren und Gleichaltrigen gegenüber einer – auch sexuellen - Beziehung älterer Menschen.

Körperliche Veränderungen

Zum einen treten oft körperliche Probleme auf. Nicht etwa deshalb, weil Sexualität schädlich ist - ganz im Gegenteil. Denn die körperliche Belastung durch den Geschlechtsverkehr entspricht in etwa der Belastung beim Treppensteigen. Vielmehr sind es natürliche Alterserscheinungen, die Schwierigkeiten bereiten können: Beispielsweise verringern sich die weiblichen und männlichen Geschlechtshormone. Die Schleimhaut der Frau wird weniger elastisch und ist trockener. Beim Mann entwickelt sich die Erektion langsamer, und auf Grund des sinkenden Testosteronspiegels lässt das Lustgefühl etwas nach. Diese Probleme haben aber nichts mit Krankheiten zu tun, sondern sind natürliche Alterserscheinungen. Eine Abhilfe durch Medikamente ist trotzdem unter Umständen möglich.

Höhere Lebenserwartung

Dabei gibt es eine ganze Reihe von berühmten Menschen, wie etwa Onasis, Charles Chaplin oder Pablo Picasso, die zeigen, wie wertvoll Sexualität auch im höheren Alter sein kann. Das belegen auch Untersuchungen, nach denen Menschen, die lange sexuell aktiv sind, eine höhere Lebenserwartung besitzen. Hier könnte man polemisieren - es ist durchaus möglich, dass Menschen, die das ganze Leben physisch und psychisch sehr aktiv waren, sich ihre Aktivität auch im Alter bewahren. Und dazu gehört auch das überduchschnittliches Verlangen nach der Sexualität.

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