Sexualität im Alter

Sexualität im Alter

Dass Sexualität im Alter genauso beglückend sein kann wie in früheren Lebensjahren, ist eine Selbstverständlichkeit. Sexualität ist ein bedeutender Lebensbereich, der weit über die Fortpflanzungsfähigkeit hinausgeht. Dies gilt auch für die Sexualität im höheren Lebensalter. Aber die Bedingungen für dieses Glück ändern sich.

Herzklopfen und die berühmten "Schmetterlinge im Bauch" gibt es auch mit 60 Jahren und darüber. Hinzu aber kommt die große Chance, vieles besser zu machen als in jungen Jahren, denn die Erfahrung ist ein nahezu konkurrenzloser Ratgeber, wenn es darum geht, Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Sie bewahrt vor dem Irrglauben, man könne oder müsse gar den Partner ändern und nach den eigenen Vorstellungen zurechtbiegen. Stattdessen wird die Liebe im Alter viel stärker von tiefen Gefühlen und dem Wunsch nach Zärtlichkeit geprägt.

Sexualität wird, wenn überhaupt, höchstens älteren Männern zugestanden. Ältere Frauen haben es ungleich schwerer. Nach allgemeiner Ansicht handelt es sich um asexuelle Wesen. Die beste Art, sich zu beweisen und Persönlichkeit zu zeigen, ist, zum Alterungsprozess zu stehen. "Alle wollen alt werden, aber keiner will alt sein!" Von einem klugen Menschen geschrieben, täuscht dieser Satz nicht darüber hinweg, dass das Wort "Alter" negativ besetzt ist und die Gesellschaft vor lauter Jugendwahn ältere Frauen zu "Auslaufmodellen" abstempelt.

Ältere Menschen haben manche Probleme und Ängste der jüngeren nicht mehr, dafür andere, vor allem solche, die mit dem Älterwerden direkt zu tun haben (z.B. altersbedingte psychische Krankheiten, Krankheit und Tod naher Angehöriger, Impotenz oder Angst davor, Depressionen, erschwerte Partnerwahl, Einsamkeit, Vorurteile in der engeren Umgebung).

Sexualität im Alter ist gekennzeichnet durch Verluste, aber auch durch Gewinne: Auf der Verlustseite seien Defizite des Organismus, ästhetische Verluste, belastende Erinnerungen und Versagensängste zu verzeichnen, als Gewinn können mehr Einsicht in Komplexitäten, ein Offensein für Andersartigkeit, mehr Leidensfähigkeit und Vertiefung der Lustkompetenz gewertet werden.

Ricoeur schrieb:

„Sexualität ist nichts endgültig Gegebenes, sie ist für den Menschen eine Aufgabe und ein zu vollbringendes Werk, sie ist nicht einfache Funktion des Bedürfnisses, des Instinkts oder des Triebes, noch auch von spezieller Wissenschaft gesichertes umgrenztes Gebiet. Sexualität ist auch im Alter eine Erfahrungs-Chance, die nur jeder selbst machen kann, die noch nicht einmal vom Sprechen darüber sich öffnet. Wo das Sexuelle anfängt, endet die Macht des Verbalen und damit auch die Wissenschaft.“

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